No Comment räumen bei De/Vision auf

Die Anfänge von No Comment liegen schon einige Jahre zurück.
Ihr Debüt "Harmony EP" stammt aus dem Jahr 1992. Damals war die Band eigentlich für zuerst mehr minimalistische, fast unterkühlte Electro-Pop- Stücke wie "Last day" oder "Chimera" (Drawback Infect-CD) bekannt.
Später bemühte man sich um wärmere Kompositionen und häufige Abwechslung, aber die Köpfe Thomas Kowalzik und Rene Ebner sahen nach dem zweiten Album "Screen" den Zeitpunkt für einen deutlichen Wandel gekommen, der dann auch für einen Schnitt und eine längere Pause verantwortlich war.
Dazu kam aber noch ein ordentlicher Zoff mit ihrer ehemaligen Plattenfirma Subtronic, der dafür sorgte, daß insgesamt drei Jahr zwischen "Screen" und ihrem ganz neuen Album "Bondage" (Vision Rec.) vergangen sind.
No Comment sind kaum wiederzuerkennen. Mit Franziska Kalb und Mark Ziegner haben sie zwei neue Sänger engagiert und ihr Weg hat sie vom Synthie-Pop weggeführt, hin zu einer Mischung aus Elektronik und Garbage-ähnlichem Gitarren- Pop. Eine radikale Wendung. aber auch eine sehr reizvolle Mischung.

BS: Sag nochmal, was wir vorhin vereinbart haben.
F: Mit Milch und Zucker, bitte.
BS: Also, dank des neuen Gesetzes zum Lauschangriff, ist unsere Aufgabe beim Bodystyler viel schwerer geworden. Stellt Euch nur mal vor: Uns hört jetzt jemand ab - und am Ende wird das noch irgendwo veröffentlicht.
T: Ich bin auch dafür, daß Journalisten an ihrem Zeugnisverweigerungsrecht festhalten dürfen - gerade wegen unseres Interviews jetzt.
BS: Franziska ist neu bei Euch und kommt aus Bensheim - na sowas. Wenn man einen ganz blöden Gedankengang verfolgt könnte man jetzt annehmen, daß...
F: --- ich in meiner Freizeit bei De/Vision aufräume?!
T: Wie? Nicht bezahlt?
F: Nein, ich mache das aus Starkult.
T: Vielleicht macht das auch mal einer für uns. wenn wir reich und berühmt sind.
BS: Ach so - das seid Ihr nicht?! (...) Ich darf Euch dann doch bitten, hier zur Tür wieder raus zugehen.
T: Tja, das ganze Geld, das wir bei Subtronic verdient haben. ham wir ja verpraßt...
BS: Ja, das wollen wir natürlich breittreten.
T: Ich will da jetzt nicht die alten Geschichten und Unzulänglichkeiten aufwärmen - Ihr wollt ja bestimmt keine Sonderausgabe machen. Wir haben uns mit denen halt überworfen. Es ging eben darum: Die Rechte an unseren Stücken... die liegen ja irgendwo. Irgendjemand hat sie. Subtronic denkt, sie liegen bei ihnen und wir denken das eben nicht. Mal ganz abgesehen davon, daß wir nie Geld bekommen haben, möchten wir unbedingt nochmal was mit den alten Sachen machen und wir spielen sie auch live.
BS: Ja, irgendjemand hat die Rechte - am Ende müßtet Ihr Euch womöglich noch selbst covern.
T: Ja, wir sind ja große Fans von Coverversionen und covern uns dann auch selbst.
BS: Seid Ihr denn auch Fans von Euch?
T: Ja, klar. Ich hab auch nur Poster von uns daheim und ich schreib jeden Tag, wenn ich nach Hause komme, erst mal drei Autogramme für, mich - außerdem fiktive Liebesbriefe. Alles schon dagewesen.
F: Ja. und ich schreibe die Fanpost, so "hahlo No Coment".
T:. Das war früher immer so doof - nur mit Jungs in der Band. Da kam die Fanpost einfach nicht überzeugend. "Tanja (13)" - und dann so ne Jungensschrift. Jetzt hat das einen Hauch von Authentizität.
BS: Jetzt wart Ihr drei Jahre weg vom Fenster - mittlerweile kennt Euch wahrscheinlich fast keiner mehr.
T: Och, das muß kein Nachteil sein
BS: Gefallen Euch die alten Sachen nicht mehr?
F: Also mir gefallen sie.
T: Doch, damals haben wir auch die Sachen machen wollen. Aber nach "Eyes" und insbesondere nach der "Screen" haben Rene und ich gemerkt, daß es so das Beste war, was wir in der Besetzung machen konnten. Es war klar, daß es auf dem Weg nicht weitergeht. Dann haben wir uns überlegt - wo wollen wir hin. Es hatte sich einfach erschöpft, mir ist auch in der Richtung nichts neues mehr eingefallen. Wir haben einen neuen Sänger geholt, eine Sängerin und sind neu gestartet. Wir mußten ganz andere Wege gehen. um jetzt auch wieder etwas zurückzukehren. Es sind ja jetzt noch einige Synthie-Pop-Elemente drauf.
BS: Findet Ihr, daß das ein generelles Problem der Musik insgesamt ist - daß Vielen einfach nichts Neues mehr einfällt?
F: Denke ich oft, wenn ich vermeindlich neue Sachen höre.
BS: Sag doch mal ein wertiges Beispiel ... vielleicht aus Deiner näheren Umgebung? Oje, das gibt wieder böse Briefe.
T: Die Stilistik von Synthie-Pop ist eben recht einfach und man wieder holt sich schnell. wenn man es so einfach läßt. Und viele Gruppen, die heute etwas anderes machen, haben das eben erkannt, z.B. Mesh. Es hat etwas mit Synthie- Pop zu tun, aber es hat etwas eigenes.
BS: Also kam Franziska und hat dann als erstes mal bei Euch aufgeräumt.
T: Ja damit wollten wir uns der De/Vision-Schiene zuwenden. Nee, als sie kam, gings wieder richtig los. Und jetzt haben wir "Bondage".
BS: Das heißt aber nur so. weil Ihr Umbra Et Imago nachmachen wolltet.
T: Ja, das sind in Wirklichkeit unsere großen Vorbilder und wir sind auch schon auf der Suche nach Künstlernamen. Ich wollte mich Tschaikowsky nennen.
BS: Oder Peter Orloff?!
T: Die Wahrheit ist, daß ich leidenschaftlicher Sticker bin. Da kann man doch ganz tolle Teppiche sticken. weißt Du, wo die Zahlen für Farben stehen '5 ist blau' und so weiter. Deswegen haben wir das ins Album mit ein gebracht, damit sich alle Hausmänner das auch kaufen.
BS: Stehst Du auch auf kleine Japanerinnen?
T: Das hat mich schonmal jemand gefragt - wieso denn?
BS: Naja, die Japaner sollen das Bondage angeblich erfunden haben. Stimmt aber gar nicht. Eigentlich hatte Mozart nämlich die ganze Idee vor ein paar Jahren - Und Bondage hat nur deswegen so ne lange Geschichte, weil er das in einem früheren Leben schonmal gemacht hat. Wieso ist Rene eigentlich nicht dabei - den kriegt man ja nie zu sehen.
T: Na, einer muß doch das Geld verdienen, das wir dann verprassen.
BS: Wieso? Räumt er jetzt gerade bei De/Vision auf?
F: Ja, normal mach ich das ja.
T: Ist dann die Headline von dem Bericht "No Comment räumen bei De/Vision auf"? Ich kriege da langsam Bedenken.
BS: Nöööö, das wär ja blöde.
F: Dann wären ja alle meine Chancen plötzlich dahin.
BS: Wieso?
F: Na was meinst Du, wieso ich da aufräume?!
T: Und wovon sollen wir dann leben?
F: Sag doch mal, was wir aus unserem Studio machen, wenn wir mal keine Musik mehr machen.
T: <überlegt> ... den Swingerclub?!
F: Neeeiin. Du weißt schon, wir nehmen die Geräte raus und bauen den Raum um.
T: Ja, in nen Swingerclub.
F: Du hast doch...
T: Ach so, ja - wir möchten da die größte Carrera-Bahn der Welt aufbauen. Damit will ich ein Kindheitstrauma besiegen. Mit drei Jahren hatte ich eine Carrerabahn. Und wie man so mit drei ist - man drückt einfach nur den Knopf durch und deswegen sind die Autos auch immer aus der Spur gesprungen und ich hab dauernd verloren. Nur meine Mutter hat mich gewinnen lassen.
BS: Wolltet Ihr sonst noch was erzählen - Ihr dürft jetzt ausnahmsweise mal ganz frei losplappern!
T: Ja, wir wollten noch sagen, daß unser neue Album das beste ist, was wir je gemacht haben. Wir waren selber überrascht, als wir es das erste mal eingelegt haben und haben gesagt: "Mensch, das ist aber gut geworden auf einmal."

Victor der Cleaner