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Kennt ihr das Bildersuchspiel? Das auf den hinteren Zeitungsseiten, wo man die
Unterschiede zwischen zwei kleinen, völlig unübersichtlichen Bildchen
herausfinden muß? ... Nun, im Falle von No Comment funktioniert dieses Spiel
genau andersherum. Fast drei Jahre war das Soft-EBM-Quartett von der Bildfläche
verschwunden, jetzt meldet sich die Band mit neuem Material zurück, und es ist
nichts mehr, wie es einmal war. Zwischen "Screen" (1995) und der aktuellen
Scheibe , "Bondage" liegen Welten, und bis auf die Tatsache. daß noch derselbe
Name auf dem Cover steht, kann ich so gut wie keine Gemeinsamkeiten mehr
entdecken. So sehr ich auch suche. Was beim Vergleich zuallererst ins Auge fällt, ist die veränderte Besetzung. Weder Sänger Stefan Klenke. der mit seiner recht markanten Stimme das Bild der früheren No Comment zu einem großen Teil mitprägte, noch Keyboarder Remo Muccilli sind bei der neuen Platte mit von der Partie, an ihrer Stelle hält jetzt das Doppel Franziska Kalb/ Mark Ziegner das Mikro in den Händen. "Rene (Rene Ebner, Anm. d. R.) und ich hatten den Eindruck, daß in der damaligen Besetzung einfach nicht mehr drin war", erzählt Thomas Kowalzik. als ich ihn noch den Gründen für den kurz nach "Screen" erfolgten Split befrage. Die Sache war musikalisch schlicht weg ausgereizt, und außerdem entwickelten sich Remo und Stefan auch eher in die Tekkno-Ecke, während Rene und ich in eine andere Richtung wollten." Er lacht. "Na ja, und der Höhepunkt war schließlich. als wir Remo dabei erwischt haben, wie er heimlich auf dem Klo geraucht hat..." Schon klar, das kann man natürlich nicht durchgehen lassen. Doch auch als Duo sind Rene und Tom, die die Band 1989 gemeinsam mit Stefan aus der Taufe gehoben hoben, nicht so recht glücklich. Die Arbeit am neuen Konzept für die Band geht nur schleppend voran. Frust macht sich breit. Bis dann im Jahre 1996 ein hell leuchtender Komet am düsteren Himmel von No Comment erscheint. "Ein Bekannter hat mir ein Demo von Franzis damaliger Band zugesteckt" erinnert sich Tom und grinst, ... an der Ablösesumme habe ich heute noch zu knabbern!" Nun, ich denke eine Fehlinvestition war das ganz sicher nicht. Schließlich haben sowohl sie als auch Mark, der das spaßige Quartett kurze Zeit später komplettierte der Band hörbar gut getan. Dafür ist "Bondage" der beste Beweis. Natürlich bleibt das neue Line Up auch nicht ohne Auswirkung auf die Musik. Waren No Comment bisher vorwiegend im traditionellen 80er Jahre Synthiepop- bzw. EBM-Bereich beheimatet, so gelingt den Ludwigshafenern mit der neuen Scheibe, auf der vom Radiohrwurm, über potentielle Clubhits bis hin zu ruhigen, atmosphärischen, Tracks alles vertreten ist, nun der längst überfällige Brückenschlag in die Neunziger. Man hat sich stilistisch geöffnet und viel experimentiert, und so klingt das Album das sich thematisch mit dem Gefühl des Gefangenseins im weitesten Sinn auseinander setzt, erfrischend anders als vieles von dem, was unseren Ohren im Elektronikbereich leider auch heute noch oft genug zugemutet wird. "Es ist einfach schmutziger", versucht Tom den neuen Sound zu beschreiben, "mit Filtereffekten, Loops und Verzerrtem"... "Aber auch mit Klavier und zweistimmigem Gesang", schiebt er dann nach, denn es ist der Band wichtig, nicht den Eindruck zu erwecken, als renne man blindlings einem Trend hinterher. Schließlich zeichnet sich gute Musik nicht bloß durch Innovativität. sondern in gleichem Maße auch durch Zeitlosigkeit aus." Und durch Eigenständigkeit... Die hat für Franzi und ihre Jungs einen ganz besonders großen Stellenwert, und so sträubt sich der muntere Vierer denn auch energisch dagegen, in irgendeine klischeebeladene Schublade verfrachtet zu werden. Vor allem, wenn da "Synthie-Pop" drausteht. Zwar geben sie zu, daß schon noch Elemente davon in ihrer Musik vorhanden sind, "doch die machen die Stücke nicht aus", meint Tom. Und Mark und seine Chanteuse eilen ihm zu Hilfe: "Unser Ziel ist es, daß No Comment für sich steht. ... Wir machen elektronische Musik. Punkt." Mehr gibt's dazu nicht zu sagen, findet auch Rene. "Ich bin für das 2000g-Glas von Nutella!", wechselt er ein wenig abrupt das Thema, und die anderen lachen. Es gibt halt doch noch ein paar Dinge, die sich niemals ändern ... Colette Stritzke |